zur Museumsübersicht



 

Tatort Franken: Der Kupferstecher Abraham Wolfgang Küffner und der falsche Dürer

 

30. September - Januar 2017

 

 

 

             

 

Der 1760 in Betzenstein geborene hoch begabte Sohn eines Baders studierte nach einer Kaufmannslehre zunächst an der Universität Altdorf, wo er alsbald auch eine Anstellung als Zeichenlehrer bekam. Als erfolgreicher Porträtmaler zählte er zahlreiche Patrizierfamilien zu seinen Kunden. Nach dem Wechsel an die Universität Erlangen kam er mit der Technik des Kupferstichs in Berührung. Schon 1778 schreibt sein Lehrer über ihn im „Teutschen Künstlerlexikon“, „dass er einer der ersten Künstler in diesem Fache wurde“. Mit seinen Stichen illustrierte er u. a. die Originalausgabe der Oper Zauberflöte.

 

 

 

Schon bald eröffnete er eine Kunsthandlung und verlegte ein monatlich erscheinendes Kunstmagazin. Als Händler stand er auch mit Goethe in Kontakt, dem er mehrfach in Briefen Gemälde anderer Künstler zum Kauf anbot.

 

 

 

Als 1801 die Franzosen während der Besetzung Nürnbergs Kunstschätze für den Louvre beschlagnahmten, war Küffner am Austausch eines Dürer Portraits gegen eine Kopie beteiligt. Jahrelang galt er deshalb als Urheber dieser Kopie. Erst neuere Forschungen widerlegten dies. Hingegen war Küffner als Agent und Kunstsachverständiger maßgeblich am Verkauf des Originals an die damalige kurfürstliche Galerie in München, die heutigen Staatsgemäldesammlungen, beteiligt.

 

 

 

Die Ausstellung stellt nicht nur den herausragenden Künstler und die Entstehung eines Kupferstiches vor. Sie beleuchtet auch den aktuellen Erkenntnisstand um den „Kunstkrimi“ und die Beteiligung Abraham Wolfgang Küffners. Besucher erfahren so auch, mit welchen kriminalistischen Methoden heute Untersuchungen an Kunstwerken durchgeführt werden.

 

 

Fürchten, Bangen, Hoffen. Leben um 1945 auf dem Land

19. Juni - 8. November 2015

 

 

 

 

Die Erinnerung an das Ende Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren war Anlass für das Fränkische Schweiz-Museum, sich mit den Lebensumständen der Menschen in der Region vor und nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen zu befassen. Hierbei ergaben sich z. T. überraschende Erkenntnisse:

Im Verlauf des Krieges waren immer mehr Männer und Jugendliche eingezogen worden. Sie fehlten als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und im Handwerk. Mit dem Tod in der Schlacht (allein aus der Fränkischen Schweiz lassen sich mehr als 6000 Gefallene beklagen) fielen große Teile einer Generation ersatzlos aus. Viele kamen verwundet zurück. Kriegslazarette, in denen Verwundete gepflegt wurden, befanden sich u. a. auf der Burg Feuerstein und in Unterleinleiter.

Vielerorts mussten Kriegsgefangene auf den Feldern als Ersatz für die zum Kriegsdienst eingezogenen Bauern schuften. In nahezu jedem zweiten Ort waren Kriegsgefangenenkommandos zu deren Unterbringung eingerichtet, meist in Gasthäusern und Scheunen. Oftmals schrieb man sich noch lange nach Kriegsende gegenseitig Briefe oder besuchte sich gegenseitig.

Teile der Bevölkerung des Saarlandes waren auch in die Fränkischen Schweiz evakuiert. Zudem waren im Zuge der Kinderlandverschickung ganze Hamburger Schulklassen verlegt. Erschütternde Dokumente, Bilder, Briefe, Tagebücher und verbliebene Erinnerungsstücke zeigen das schwere Los der Schüler fernab ihrer Familien insbesondere gegen Kriegsende nach.

 

Ende 2. Weltkrieg, Ausstellungen, Museum, Fränkische Schweiz, Museen Fränkische Schweiz, Kultur, Abenteuer              Ende 2. Weltkrieg, Ausstellungen, Museum, Fränkische Schweiz, Museen Fränkische Schweiz, Kultur, Abenteuer

In den letzten Kriegsjahren waren etliche Rüstungsbetriebe, aber auch politische Institutionen wie das Ahnenerbe in die Region verlagert. Aus der Nazi-Propagandazeitschrift "Signal" entwickelte sich in der Fränkischen Schweiz gar die Zeitschrift "Quick".

In den letzten Kriegsmonaten erfolgten Tieffliegerangriffe auch in der Region. Vereinzelt ist von Flugzeugabstürzen die Rede. Hiervon zeugen Fotos brennender Häuser und bis heute aufbewahrte Geschossteile.

Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner warfen die Menschen eilig Uniformen, Waffen, Auszeichnungen und sonstige Gegenstände mit NS-Symbolen weg. Immer wieder kommen überraschend bei Bauarbeiten derartige Verstecke zum Vorschein.

 

Vielerorts waren amerikanische Soldaten einquartiert. Diese verteilten z. T. großzügig Schokolade an die Kinder, Zigaretten und Lebensmittel an die Erwachsenen. Auch wenn offiziell keine privaten Kontakte unterhalten werden sollten, kamen solche im Laufe der Zeit doch zu Stande; vereinzelt wurden sogar Ehen geschlossen.

Mit dem Ende des Krieges kamen zahlreiche Flüchtlinge und Sudetendeutsche in die Region. Durch sie veränderten sich in zahlreichen Orten jahrhundertelange Konfessionsgrenzen; zudem entstanden neue Betriebe, die wesentlich zur Weiterentwicklung der Region beigetragen haben.

Zahlreiche persönliche Bilder, Dokumente und Erinnerungstücke geben tiefe Einblicke in das Leben der Menschen in den Jahren 1943 bis 1948. Einzelschicksale erlauben auch Jüngeren, diese Zeit nachzuvollziehen.

 

 

Fledermäuse - Jäger der Nacht

28. März - 17. Mai 2015

 

 

 

Einst fürchteten sich die Menschen vor Fledermäusen. Der Volksglaube des Mittelalters und auch der Neuzeit sah in ihnen Dämonen aus den Tiefen der Hölle. Nicht umsonst zeigen Teufelsdarstellungen dieser Zeit Merkmale von Fledermäusen: spitze Zähne und Ohren, Schwingen am Rücken. In anderen Kulturkreisen galten Fledermäuse dagegen als Glücksbringer. 

 

Fast ausgestorben
In Mitteleuropa führte die Furcht vor diesen Tieren zu ihrer nachhaltigen Verfolgung. Noch mehr setzt den Fledermäusen aber die Vernichtung ihres Lebensraumes zu: der Abriss alter Häuser und Scheunen, die Errichtung von dichten Neubauten ohne Unterschlupfmöglichkeiten, nachhaltige Biotopveränderungen infolge von Flurbereinigungsmaßnahmen und nicht zuletzt der massive Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft machen ihnen schwer zu schaffen.       

                                    

Lebensweise im Vordergrund
Die Ausstellung im Fränkische Schweiz-Museum widmet sich der Biologie der Fledermäuse. Körperbau, Lebensweise, Jagdverhalten und Beute gehören hierzu. Die wenigsten werden wissen, dass einige Fledermausarten im Flug Käfer vom Waldboden aufschnappen oder andere Arten pro Nacht ca. 4000 Stechmücken verschlingen.

Des Weiteren beleuchtet die Ausstellung die Arbeit der verschiedenen Arbeitsgruppen, die sich um Erforschung und Schutz dieser Tiere kümmern. Deren Mitglieder übernehmen in den Nächten das Monitoring zur Überwachung der Populationen.

Am Ende der Ausstellung stellt das Museum noch die Rezeption der Fledermäuse vor. Diese beginnt mit den Horrorvorstellungen der Frühzeit und endet mit den Verniedlichungen in Kinderbüchern.

 

 

Ausstellung im Frühjahr
An der Ausstellung arbeitete das Museum mit der Fledermausgruppe des Landkreises Forchheim, der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern und dem Bezirk Oberfranken zusammen. Nach der Präsentation kann die Ausstellungen in einer verkürzten Version von Schulen ausgeliehen werden.

 

Vom Dreikönigssingen zur Silvesterknallerei

Fest - Brauch - Event

7. Juni - 2. November 2014

 

 

 

Bräuche und Feste haben einen hohen Stellenwert in unserem Leben: Sie setzen Akzente in unserem Alltag, gliedern das Jahr und bilden Ankerpunkte unseres Gedächtnisses, an die wir besondere Ereignisse in unserem Leben anknüpfen.

Feste und die damit verbundenen Brauchhandlungen begleiten uns das ganze Jahr hindurch: Vom Neujahrs- bzw. Dreikönigssingen bis zum Silvesterabend. Zu allen diesen Terminen kennt jeder mehr oder weniger verbindliche, ja ritualisierte Handlungen, also Bräuche.

Bräuche werden im Laufe der Zeit modifiziert: Manche geraten in Vergessenheit, manche werden wiederbelebt, erfahren eine Hochkonjunktur und finden neues Publikum. Einige werden auch in Gegenden, wo sie bislang nicht ausgeübt wurden, neu eingeführt. Damit gehören Bräuche und Feste zu unserer Alltagskultur ebenso wie zum kulturellen Erbe einer Region; sie haben damit gleichen Stellenwert wie Geschichte und Denkmäler.

Das Fränkische Schweiz-Museum gingt den Festen und damit den Anlässen der damit verbundenen Bräuche in dieser Ausstellung nach. Aufgezeigt wurden zum Einen die teilweise in Vergessenheit geraten zu drohenden Ursprünge. Die Ausstellung dokumentierte aber auch die im Laufe der Zeit erfolgten Veränderungen.

 

Genutzt - Abgelegt - Gefunden
Verborgene Schätze aus fränkischen Synagogen

1. April - 11. Mai 2014

 

 

 Genisa, Synagoge, Museen der Fränkischen Schweiz, Tüchersfeld, Pottenstein, Freizeit, Kultur, Regenwetter, Jüdisches Leben, Fränkische Schweiz

 

Genisa-Funde

Die Ausstellung zeigte ausgewählte Objekte aus fränkischen Genisa-Funden: Zu sehen waren Thorawimpel, Gebetsriemen, Gebetbücher, aber auch Romanschriften, Warenlisten, Strafarbeiten, private Notizen, Zeitungen, ein Arztrezept und vieles mehr. All diese Zeugnisse jüdischer Kultur von Dachböden fränkischer Synagogen gaben Einblicke in die Alltagswelt jüdischer Landgemeinden in Franken.

 

Genisa-Projekt Veitshöchheim

Die Ausstellung informierte über die Arbeit des Genisa-Projekts Veitshöchheim. Dieses wurde 1998 gegründet, um Genisa-Funde aus fränkischen Synagogen zu inventarisieren. Inzwischen wurden im Rahmen dieses Projektes Funde aus den meisten Synagogen Unterfrankens sowie bereits einige Bestände aus oberfränkischen und mittelfränkischen Synagogen erstmals komplett durchgesehen und in einer Datenbank wissenschaftlich erfasst. Damit ist es für alle Interessierte möglich, sich mit diesen wertvollen Zeugnisse jüdischer Kultur in Franken zu beschäftigen.

Das Konzept der Ausstellung wurde vom Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim erarbeitet. Ergänzt wurde die Ausstellung durch Funde aus Synagogen der Fränkischen Schweiz.

 

 

 

Obstanbau in der Fränkischen Schweiz
22. März - 28. April 2013

 

 

 

 

Die Obstblüte in der Fränkischen Schweiz zieht alljährlich zahlreiche Ausflügler aus den umliegenden Städten in die Region. Insbesondere die weißblühenden Kirschbäume der Streuobstwiesen begeistern die Fotografen.

Die Region ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Mitteleuropas. Früchte von hier werden europaweit verhandelt. Nicht zu vergessen ist auch die Veredelung: Die Schnäpse der zahlreichen Brenner finden nicht nur am Tag der offenen Brennereien reißenden Absatz.

Die Obstanbau in der Fränkischen Schweiz ist somit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, von dem nicht nur der Tourismus profitiert.

Bereits im 11. Jahrhundert kultivierten Benediktiner im Kloster Weißenohe Obstsorten. Auch andere Orden und Geistliche waren Kenner und Förderer des Obstbaus. Unter anderem machte sich so der als Dekan in Kirchehrenbach wirkende Franz Sales von Karg von Bebenburg um den bis heute blühenden Kirschenanbau der Fränkischen Schweiz verdient.

 

Fürstbischof Franz Ludwig von Ehrthal ordnete im gesamten Bistum die Einrichtung von „Industriegärten“ (lat. industria = Fleiß) an. Sie dienten der Unterweisung von Buben und Mädchen in der Garten-und Obstbaumpflege. Einer dieser Garten entstand in Stöckach.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts setzten die Kirchen ihre Geistlichen planmäßig als Vorzeigelandwirte, Obstbauern und Bienenzüchter ein. Jeder Theologiestudent musste entsprechende Seminare besuchen. So zählte zum Priesterseminar Bamberg ein landwirtschaftliches Gut, aufdem die praktische Ausbildung stattfand. Angehende Pfarrer legten in ihren Gemeinden Obstplantagen an oder pflegten sie, veredelten Früchte, hielten Hühner, Schweine und Kühe. Als Respektspersonen waren sie Vorbilder. Auf diese Art und Weise war es ein Leichtes, Neuerungen in der Landwirtschaft und im Obstbau an die Bevölkerung weiterzugeben.

 

Der Lehrstuhl für Europäische Ethnologie der Universität Bamberg spürte in einem Ausstellungsprojekt den Einflüssen der Geistlichlichkeit auf den Obstanbau in der Fränkischen Schweiz nach. Anschauliche Texte und umfangreiches Bildmaterial, ergänzt vom Fränkische Schweiz-Museum mit zahlreichen Objekten geben interessante Einblicke in die Geschichte dieses für die Region so bedeutenden Wirtschaftszweiges.

 

 

 

Bettler, Jauner, Galgenvögel -

In den Fängen der Justiz   

17. Mai - 3. November 2013                                                   

 

 

 

Räuber und Räubergeschichten regen unsere Fantasie an. Gerade die alten Räuber mit Steinschlosspistole, Degen und wildem Bart erhalten unsere Sympathien. Derartige „Räuberhauptmänner“ lagern mit ihren Genossen unter freiem Himmel, genießen bei Gelagen ihre Freiheit - leben ohne Zwänge und Pflichten sorgenfrei. Überfallen sie die Herrschenden und Reichen verteilen sie die Beute gleichmäßig unter den Armen. Soweit die romantische Vorstellung.

 

Räuberleben vor 300 Jahren heißt in Wirklichkeit vor allem eines: Verzicht, Hunger, Kälte, Krankheit, Tod

 

Ein großer Teil der Menschen in den Städten und den Dörfern war täglich vom sozialen Abstieg bedroht. Strenge Gesetze, - übermäßiges Trinken war verboten, Heiraten nur nach Nachweis eines Vermögens möglich – Kriege und Missernten bestimmten die Lebensläufe. Einmal aus der Gesellschaft ausgestoßen, war die Rückkehr quasi unmöglich. Unverheiratete Mütter, ehemalige Soldaten, Deserteure, Mitglieder unehrlicher Berufe, wie Kesselflicker, Hausierer, Hirten oder Angehörige von Minderheiten, Juden und Zigeuner zogen bettelnd und stehlend über das Land. Stehlen war überlebenswichtig. Der spontane und schnelle Diebstahl erbrachte meist nur geringe Beute. Ein Apfel hier, ein Tuch dort. Reichere Beute versprachen die Kirchen. Liturgisches Gerät konnte eingeschmolzen werden und aus dem Opferstock ließen sich Münzen herausfischen.

Diesen aus heutiger Sicht eher Kleinkriminellen stehen die Profibanden gegenüber: Einbruchsziele werden ausgiebig erkundschaftet, Reise- und Fluchtwege abgestimmt, Witterung und Tageszeit festgelegt, besondere Spezialisten angefordert. Am Ende der Vorplanungen, die über Monate gehen konnten, stellte man die Kosten der zu erwartenden Beute gegenüber. Kirchenschätze, Stadt- und Firmenkassen waren Ziel dieser Einbrecherbanden. Die Schadenssummen betrugen 8.000, 12.000 oder in einem Fall sogar 200.000 Gulden.

 

Ein weiteres häufiges Verbrechen war der Straßenraub. Mit vorgehaltener Pistole oder einem geschwungenen Knüppel raubten die Verbrecher Reisende und Händler aus. Nicht selten kam es dabei zu Todesfällen. Im damaligen Verständnis war der Raub nicht so schwer zu bestrafen wie der Diebstahl. Immerhin hätte das Opfer des Straßenraubes, anders als der schlafende Hausbesitzer, die Chance zu fliehen gehabt.

 

All diese Menschen verständigten sich mit einer eigenen Sprache, die bereits den Kindern beigebracht wurde. Dieses Rotwelsche hallt bis in unsere Alltagssprache. Wer kennt nicht: malochen, Kittchen, Globetrotter, pennen, schlummern, Bulle

Allein das Beherrschen dieser Sprache rückte die Person in die Verbrecherkreise.

 

Diese Plage und die daraus entstehende Unsicherheit rief die Obrigkeit auf den Plan. Mehr oder weniger erfolgreich entwickelte sich ein Strafverfolgungssystem. Zunächst auf Initiative einzelner Amtmänner werden umfangreiche Diebeslisten verfasst und unter den Ämtern ausgetauscht. Systematische Militärstreifen zogen das Diebesgesindel aus dem Verkehr. Die Zusammenarbeit der einzelnen Territorien untereinander, machten eine Entkommen für die Räuber immer unwahrscheinlicher.

Am Ende wartete auf die Mehrzahl der Diebe und Räuber das Zuchthaus, der Dienst auf der Galeere oder der Tod.

Bettler, Jauner, Galgenvögel entstand in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Ethnologie der Universität Würzburg. Die Anregung zu dieser Ausstellung sowie zahlreiche Hinweise verdanken wir Bernhard Weigl. Unterstützt wird das Projekt von der Sicherheitstechnik Hartmann aus Mistelbach, der Sparkassen Bayreuth und Forchheim. Die Firma spielematerial.de hat uns Material für eine Installation zur Verfügung gestellt.

 

200 Jahre Fränkische Schweiz - die Erfindung einer Landschaft

23. Juni - 4. November 2012

 

 

 

Um 1800 ist in ganz Europa eine Strömung zu beobachten, die in Anlehnung an eine Forderung des französischen Philosophen Rousseau die Hinwendung zu einem Leben im Einklang mit der Natur zum Ziel hat. Das harte Leben der Bergbauern in den Schweizer Alpen im Kampf mit der Natur – ganz im Gegensatz zur gekünstelten Etikette an den Höfen oder dem Elend der Arbeitersiedlungen in den Städten stehend – wurde idealisiert, deren naturverbundene Lebensweise gleichsam als erstrebenswerter paradiesischer Zustand angestrebt.


Landschaftliche Ähnlichkeiten, aber auch „schweizerische“ Lebensverhältnisse in abseits der großen Verkehrswege und Städte gelegenen Regionen boten daher Anlass nicht nur zu Vergleichen, sondern führten auch zur Umbenennung dieser Landstriche. Das „Muggendorfer Gebürg“ mutierte daher eben zur Fränkischen Schweiz.

 

Nachdem 1774 Johann Friedrich Esper ein Werk über fossile Tierknochen aus der Zoolithenhöhle veröffentlichte, das noch im gleichen Jahr ins Französische (damals die Sprache der Diplomaten und Gelehrten) übersetzt wurde, rückte die Gegend in den Mittelpunkt des Interesses zunächst der Wissenschaft. Weitere Werke über die zahlreichen Tropfsteinhöhlen in der Umgebung von Muggendorf erweckten die Neugier einer breiten Öffentlichkeit. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die beiden Berliner Studenten Ludwig Thieck und Wilhelm Wackenroder 1793 auf ihrer sogenannten Pfingstreise in Muggendorf Station machten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einträge in Gästebücher der Region geben Aufschluss, wer seinerzeit in die Fränkische Schweiz kam.

 

Am Anfang überwogen Wissenschaftler und gutbetuchte Reisende, die nicht darauf angewiesen waren, ihren Lebensunterhalt täglich hart zu erarbeiten. Kurz vor 1900 finden sich Angehörige der Mittelschicht unter den Reisenden. Nachdem die Arbeiterbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts als eine ihre ersten Forderungen Freizeit und Urlaub für die Arbeiter durchsetzen konnten, wandelte sich rasch das Bild.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor bildete die Eisenbahn. Schon 1891 konnte die Strecke Forchheim / Ebermannstadt den Betrieb übergeben werden. Täglich vier, zu Höchstzeiten bis zu sieben Zugpaare pro Tag ermöglichten es nun, in größerer Anzahl, preiswert die Region aufzusuchen.

 

Aus den Gästebüchern geht zudem hervor, dass zahlreiche Studentenverbindungen der umliegenden Universitäten die Fränkische Schweiz aufsuchten. Ein Blick in deren Eintragungen fördert gar manchen Namen zu Tage, der später von sich Reden machte.

 

Die Motive, die Region um Muggendorf aufzusuchen, waren und sind vielfältig:

Der obligatorische einstens mit großen Schwierigkeiten und Schauergefühlen verbundene Besuch der Höhle, übt auch heute noch großen Reiz aus – nicht nur die tausende von unerschlossenen Höhlen auf die Hobbyforscher, sondern auch auf die breite Öffentlichkeit bestens erschlossenen Schauhöhlen.

 

Die Beschaulichkeit des Fliegenfischens, eine Technik, die hier schon Ende des 18. Jahrhunderts nachzuweisen ist, übte nicht nur auf Engländer großen Reiz aus. Nahezu alle Landschaftsdarstellungen des 19. Jahrhunderts mit Flusslandschaft zeigen einen Fischer als Staffage, und auch heute noch kommen alljährlich zum Beginn der Saison Hunderte von Petrijüngern in die Region, um hier ihren Hobby zu frönen.

 

An den Felsformationen der Fränkischen Schweiz sind über zehntausend Kletterrouten ausgewiesen. Hier finden sich alle Schwierigkeitsgrade, vom Geringsten bis zum Höchsten überhaupt– und das auf kleinstem Raum in einer klimatisch angenehmen Region. So verwundert es nicht, dass hier Klettergeschichte geschrieben wurde, und dass viele, die Extremtouren im Sinn haben, die „Fränkische“ als Trainingsgebiet in der Vorbereitungsphase gerne aufsuchen.

 

Wanderer bilden auch heute noch das Gros der Besucher, die in der Region kommen. Sie können in frischer Luft die Besonderheiten der Natur hautnah erfahren und sich zugleich von einem Kulturdenkmal zum anderen pilgernd die Landschaft erschließen.

 

Die Wiesent als ruhiges Fließgewässer verbindet ebenfalls Ortschaften untereinander und ermöglicht auch Ungeübten das Kanuwandern in beschaulicher Natur.

 

Schon seit der Einführung des Niederrades war die Fränkische Schweiz bei Radfahrern trotz ihres anspruchsvollen Reliefs sehr beliebt, wie etliche Fahrradclubs in der Region selbst schon am Beginn des 20. Jahrhunderts nahe legen. Mit dem entsprechenden Mountainbike ausgerüstet bietet die Landschaft heute allen, die eine sportliche Herausforderung an frischer Luft suchen, ein ideales Gelände.

 

Auch Genuss kommt nicht zu kurz: Waren es Anfangs die wohlschmeckenden Forellen, die im Vordergrund standen, so sind es heute vor allem Schäuferle, die Biere der in großer Dichte vorhandenen kleinen Brauereien sowie die Obstbrände zur Verdauung, die große Liebhaber finden.

 

Auch Wellness und Gesundheit kommen nicht zu kurz: Schon um 1841 entstand in Streitberg eine Molkekuranstalt. Zahlreiche Orte können sich mit dem Prädikat „Luftkurort“ schmücken, und als jüngste Entwicklung finden Asthmatiker und Pollengeschädigte bei den Höhlenkuren Linderung.

 

Die Ausstellung im Fränkische Schweiz-Museum spürt all diesen Aspekten nach. Großartige Exponate, faszinierende Installationen und Medienstationen geleiten die Besucher durch 200 Jahre Tourismusgeschichte und Landesentwicklung. Ganz nebenbei gewährt die Ausstellung dabei noch tiefe Einblicke in die Geschichte der Freizeitentwicklung, der Arbeiterbewegung, der Studentenverbindung, aber auch der Eisenbahn- und Technikgeschichte.

 

 

 


Albert Lamm - Landschaft und Mensch

31. März - 6. Juni 2012

 

 

 

Als Berliner, Künstler und Intellektueller hatte es Albert
Lamm in Muggendorf sicherlich nicht immer leicht. Zwar
wirkte er im örtlichen Verschönerungsverein mit (dort hatte
er sogar das Amt des Schriftführers inne), setzte sich
für die Opfer der Überschwemmungskatastrophe 1909 ein
(ein vom ihm hierfür zur Verfügung gestelltes Bild erbrachte
bei seiner Versteigerung nahezu 1.000 Mark) und stiftete
für den Schützenverein eine von ihm selbst gestaltete
Scheibe, doch trennte ihn Vieles von seiner neuen Heimat.
Sein Engagement gegen den Ausbau der Wiesenttalbahn,
seine Auseinandersetzung mit dem Pfarrer und Dekan von
Muggendorf, dem er die Umstände bei der Beerdigung einer
Selbstmörderin verübelte, aber auch sein Einschreiten
bei Missständen machten ihm nicht nur Freunde. Rückhalt
empfand er hingegen durch seine Verbindung mit dem
ebenfalls aus Berlin stammenden Maler Curt Herrmann,
der viel Zeit im nahegelegenen Pretzfeld verbrachte.
Wenngleich sie künstlerisch unterschiedliche Positionen
vertraten, verband sie doch eine Freundschaft, die nicht
zuletzt auch im Nachruf auf Curt Herrmann sich zeigte,
den Albert Lamm in der Zeitschrift „Kunst und Künstler“
schrieb.


Auch wenn Albert Lamm künstlerisch gesehen in der „Provinz“
lebte, unterhielt er doch lebhafte Kontakte zu den
seinerzeit angesagten Künstlern seiner Zeit. In seiner vom
Dürerbund veröffentlichten Schrift „Ultramalerei“ äußerte
er sich distinguiert und nahm Stellung in Richtungsstreit.
Als Gutachter im Hinblick auf die Entwicklung der Kunstsammlung
der Stadt Nürnberg war er ebenfalls gefragt,
zusammen mit weiteren Größen seiner Zeit.

 

Seinen Standortnachteil durch die Wahl seines Wohnortes
in der Fränkischen Schweiz kompensierte er geschickt,
indem er kleine Bleistiftzeichnungen seiner Bilder in Postkartengröße
als sogenannte „Offerten“ an potenziell Interessierte
und Käufer u. a. nach Norddeutschland schickte.
Wenngleich diese Skizzen von den Empfängern dem Papierkorb
überantwortet werden sollten, haben sich doch
etliche hiervon erhalten; Beispiele hiervon konnten somit
auch in der Ausstellung gezeigt werden.

 

 

Bilder im Kopf
Fremd- und Eigenbilder in Europa
8. April - 19.Juni 2011

 

                                                           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stereotype schreiben Personengruppen bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen mit hohem Wiedererkennungswert zu. Sie sind Konstruktionen, die eine wichtige Rolle in der Frage der Identität spielen und bieten so die Möglichkeit, sich durch Reduzierung in einer komplexen Welt schnell zu orientieren.

 

Der Titel “Pictures in our head” – „Bilder in unserem Kopf“, unterscheidet zwischen einem materiellen Bild, dem „picture“, und einer kognitiven Dimension, die sich alleine im Kopf, „in our head“, bildet. Die Ausstellung hebt dabei die Wechselbeziehung von geistigen und materiellen Bildern hervor.

 

Obwohl die negative Funktion häufig thematisiert wird, sind Stereotype auch alltägliche Stellvertreter der Existenz der Anderen und von sich selbst. Die Ausstellung möchte daher durch konkrete Beispiele ihre visuelle Sprache, die Geschichte ihrer Verbreitung und ihre Rolle in der Identitätsbildung erfahrbar machen.

 

Die Darstellung von Stereotypen in der Reklame, auf Bilderbogen, als Reiseandenken, auf politischen Plakaten und als Karikaturen zeigt die Anderen und uns selbst in unserem Alltagsleben. So wird die Schweiz zum „Heidiland“, der Deutsche zum Biertrinker und der Norweger zum Trachtenträger. Erläutert werden auch historische Hintergründe, die in der europäischen Geschichte vielfach zu Verfolgungen geführt haben: so die Figuren des „Negers“, des „Ewigen Juden“ oder der „Zigeuner“.

                                                                                                                                     

 

 

Liebe - Neid - Macht
Farben und ihre Symbolik
16. Juli - 6. November 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Farben gestalten nicht nur unseren Lebensraum bunt – sie wirken nachdrücklich auch auf unsere Psyche.

 

Ausgehend von Urerfahrungen sind Farben zudem mit fundamentalen Assoziationen verbunden. So ist beispielsweise die Farbe Rot, verbunden mit den Erfahrungen Geburt, Menstruation und Tod, Symbol für Macht, Leben, Sexualität und Liebe.

 

Im Bedeutungsgefüge der Farben spielt daneben noch die Verfügungsmöglichkeit über Farbstoffe eine große Rolle. In der Malerei ließen sich bestimmte Farbtöne nur unter Einsatz wertvoller, zumeist nur durch Importe verfügbarer Mineralien darstellen. Diese sind wiederum nicht zum Färben von Textilien geeignet, so dass sich für diese teilweise völlig andere Werte- und Ordnungssysteme heraus bildeten.

 

Farben sind auch heute als Teil unseres Alltagslebens in jedem Lebensbereich gegenwärtig. Sie wurden genutzt, um die soziale und wirtschaftliche Stellung einer Person, ihren Beruf, ihr Alter oder ihre religiöse Ausrichtung zu zeigen. In Europa gab es während des Mittelalters deshalb nicht nur für Randgruppen Beschränkungen hinsichtlich der Verwendung von Farben mit entsprechend harschen Sanktionen. Heute hingegen drücken Farben hauptsächlich den persönlichen Geschmack oder die entsprechende Stimmung einer Person aus. Nichtsdestotrotz kann sogar heute die unangebrachte Verwendung von Farben eine Person in bestimmten Situationen diskreditieren.

 

Die Ausstellung im Fränkische Schweiz-Museum spürt all diesen Assoziationen und den daraus ergebenden Farbordnungen und Wertesystemen nach und erläutert deren historische gesellschaftliche Entwicklungen anhand zahlreicher Beispiele.

 

Ein Quadratmeter Fränkische Schweiz
27. März - 2. Mai 2010

                                                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fränkische Schweiz präsentiert sich dem Betrachter als reich gegliederte Landschaft: Naturnahe Laubmischwälder konkurrieren mit aufgeforsteten Nadelwäldern, Schluchtwälder grenzen an Talauen, sonnenexponierte Höhen beherbergen trockene Rasengesellschaften. Alle Biotope bieten jeweils einer artenreichen Faunengesellschaft Lebensraum.

 

Ein Quadratmeter Wiese kann bis zu 200 verschiedene Tierarten beherbergen. Manche leben ständig dort, andere kommen als Gäste dorthin. Eines haben sie fast alle gemeinsam: Sie sind klein und werden deshalb von den meisten Menschen nicht wahrgenommen.

 

Der Fotograph Steffen Schellhorn hat sich dieser zu unrecht unbeachteten Tiere angenommen und sie in 70 hochwertigen Aufnahmen porträtiert. Die Schönheit, Farbenpracht und bizarren Formen dieser Lebewesen vermitteln dem Besucher eine neue Blicksicht auf die alltägliche Umwelt.

 

 

Handwerker, Krieger, Stammesfürsten -
Die germanische Befestigung der Völkerwanderungszeit auf dem Reisberg
22. Mai - 7. November 2010

 

 

 

Der bislang bedeutendste und umfänglichste germanische Fundkomplex der Römischen Kaiserzeit aus dem gesamten bayerischen Raum stammt vom Reisberg bei Scheßlitz. Auf diesem lässt sich eine der äußerst seltenen befestigten germanischen Höhensiedlungen nachweisen. Nach Ausweis der dort gefundenen Objekte war das Plateau dieses Berges aus der Zeit der Kelten bis in die Zeit der ersten Merowinger besiedelt. Ein Großteil der Funde gehört eindeutig in die Zeit der Hunneneinfälle unter ihrem König Attila.

 

Das besondere des Fundkomlexes ist, dass die außergewöhnlichen und bestens erhaltenen Objekte alle Bereiche des Alltags umfassen.

 

Weitere hochwertige Ausrüstungsgegenstände, wie sie ansonsten nur aus reichen Fürstengräbern Mitteldeutschlands bekannt sind, erlauben einen tiefen Einblick in die Gesellschaftsstrukturen vor Ort. Zweifelsohne war die Siedlung auf dem Reisberg ein Machtzentrum von weitreichender Bedeutung.

 

In der Ausstellung des Fränkische Schweiz-Museums werden die Funde vom Reisberg mit wichtigen und bedeutenden Vergleichsfunden aus dem mitteleuropäischen Raum in Verbindung gesetzt. So sind u.a. Funde aus dem Fürstengrab von Gommern sowie Leuna ebenso zu sehen wie der Krieger von Kemathen.

 

Ein mit neuesten Erkundungsverfahren erstelltes Modell des Berges vermittelt, unterstützt von einer Multimedia-Installation, einen Eindruck vom Aussehen und Größe der befestigten Höhensiedlung zur damaligen Zeit. Mitmachstationen und interaktive Animationen lassen darüber hinaus den Besuch der Ausstellung für Jung und Alt zum unvergesslichen Erlebnis werden.

 

 

 

Feuer
Fluch und Segen
04.04 - 08.11.2009

 

 

 

 

Was die Steine verraten....
Riffe, Wüsten und Vulkane in Oberfranken
09.05 - 09.11.2008

 

 

 

Weihnachtskrippen aus aller Welt
Hirten, Könige, Schreckfiguren
Sammlung Christoph Daxelmüller
23.11.2007 - 03.02.2008

 

 

 

 

Heilige Elisabeth
Ihr Leben, ihre Zeit, ihre Folgen
06.07 - 04.11.2007

 

 


Mikrokosmos
vor unserer Haustür
31.03 - 20.05.2007

 


BIERKULTur
"Rund um's Bier in Franken"
28.05 - 07.11.2004

 

 

 

Rauchende Flinten, rasselnde Säbel, unglaubliche Drangsale
Preußische Einfälle nach Franken im Siebenjährigen Krieg
01.07 - 17.09.2006

 

 

 

Das liebe Geld im Wandel
Von den Silberpfennigen bis zum Euro

 

 


Ötzi - Sein Leben und, seine Zeit
Oberfranken am Ende der Jungsteinzeit

 

 



NEWS:
Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.
Kontakt
Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld
Am Museum 5
91278 Pottenstein
Tel.: 09242-1640
Fax: 09242-1056
www.fsmt.de
info@fsmt.de

Träger:
Zweckverband Fränkische Schweiz-Museum
Landratsamt Bayreuth
Markgrafenallee 5
95448 Bayreuth
Öffnungszeiten
April - Oktober:
Di - So: 10.00 - 17.00 Uhr

November - März:
So: 13.30 - 17.00 Uhr

Für Gruppen wird nach Absprache jederzeit geöffnet.
In der Weihnachtszeit gelten besondere Öffnungszeiten.