zur Museumsübersicht



Renner Ensemble
18 Uhr im Museumshof
5. August 2018

Renner Ensemble Regensburg gastiert in Tüchersfeld

 

Am Sonntag, 5. August 2018, um 18.00 Uhr gastiert das bundesweit bekannte Renner Ensemble aus Regensburg im Hof des Fränkische Schweiz-Museums mit dem Programm „Urkrieg Europas - der 30jährige Krieg und seine Nachwirkungen“.

Es ist erschreckend, wie häufig sich seit Menschengedenken politische, religiöse, wirtschaftliche oder soziale Konfliktsituationen zu Kriegen entwickelt haben. Neben Liedern voller Enthusiasmus für Waffengänge und Landsknechtliedern kommt das berühmte Chanson La Guerre von Clément Janequin zur Aufführung, in dem Kriegslärm lautmalerisch dargestellt ist. Männerchorstücke, die die vielen Kriegsopfer beklagen, leiten über zu den Friedensgesängen wie dem Supplication for Peace (2002) von Ivan Moody oder Imagine von John Lennon. Der Gospelsong Down by the riverside gibt die Schlusslosung aus: „War no more“

 

Über das Renner Ensemble

Seit 1987 begeistert der renommierte Männerchor aus Regensburg seine Zuhörer in Deutschland und der Welt. Konzertreisen führten den Chor, dessen Mitglieder zum großen Teil ihre musikalische Ausbildung am Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen erhielten, durch Europa, Asien und Südamerika. In seiner über 30jährigen Geschichte erhielt der Chor zahlreiche Musikpreise. Zuletzt belegte er im Jahr 2015 beim International Male Voice Choral Festival in Cornwall den 3. Platz.  

 

Karten

Im Vorverkauf kostet die Karte 10 €, an der Abendkasse 12 €. Vorbestellungen sind möglich unter 09242-741 70 90 (Fränkische Schweiz-Museum) oder per Mail: info@fsmt.de

Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt. Bei Regen ist die Tüchersfelder Kirche (Ortsmitte) der Ausweichort.

 

 

Leitfaden zum Konzert in Tücherfeld (verfasst Renner Ensemble)

 

 

Renner Ensemble - Ltg.: Hans Pritschet

 

 

 

Krieg und Frieden

 

Im Gedächtnis an die Millionen Toten im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)

 

 

 

Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret!
Der frechen Völcker Schaar, die rasende Posaun
Das vom Blutt fette Schwerdt, die donnernde Carthaun,
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrath auffgezehret.
(Andreas Gryphius, 1616-1664)

 

 

 

Es ist erschreckend, wie häufig sich seit Menschengedenken politische, religiöse, wirtschaftliche oder soziale Konfliktsituationen zu Kriegen hin entwickelt haben. Einer der schlimmsten war der Dreißigjährige Krieg, in den fast ganz Europa verwickelt war. Etwa 6 Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben, bevor 1648 der Westfälische Friede verkündet wurde. Der Erinnerung an den Beginn des Krieges durch den Zweiten Prager Fenstersturz 1618 und dem Gedenken an die vielen Toten ist dieses Programm gewidmet.

 

Clément Janequin fordert im ersten Teil seines berühmten Chanson La guerre die Zuhörer dazu auf, den Heldentaten des französischen Königs Franz I. zuzuhören, der in der Schlacht von Marignano 1515 das eidgenössische Heer siegreich bezwang. Im zweiten Teil bedient sich der Komponist sogenannter onomapoetischer Mittel, um Schlachtgeräusche, Waffenlärm und galoppierende Pferde musikalisch darzustellen – ein Lärm, der auch bei den vielen Feldzügen im Dreißigjährigen Krieg ein Jahrhundert später zu hören war. Am Chansonende beklagen die Schweizer in einem sprachlichen Kauderwelsch, wie es gerne Landsknechten nachgesagt wird, ihre Niederlage: „Toute frelore bigott!“, was so viel heißt wie:“Alles verloren bei Gott!“ Seit dieser Zeit versuchen die Eidgenossen sich kriegerischen Auseinandersetzungen mit Nachbarn fernzuhalten. In den letzten Jahren des Dreißigjährigen Kriegs wurden viele Kriegsklagen geschrieben. Zu ihnen zählen auch die Irenodiae oder Friedens-Gesäng von Johann Werlin. Sie lassen spüren, wie sich die Menschen damals nach den vielen Kriegsjahren nach Frieden sehnten.

 

Häufig beginnen die Kriege voller Enthusiasmus. The Crusaders von Edward MacDowell schwankt zwischen dieser Begeisterung für einen Waffengang während eines mittelalterlichen Kreuzzugs und der Sehnsucht nach der weit entfernten englischen Heimat. Zugleich wird das Schicksal des Kampferfolgs in Gottes Hände gegeben. Um göttlichen Beistand fleht auch das Gebet im Kriege von Wilhelm Kienzl, von Kurt Kienzl während des ersten Weltkriegs „im Felde gedichtet“. Richard Trunk vertonte Biwak aus „Des Knaben Wunderhorn“, ein Gedicht, das die psychischen Folgen einer Vergewaltigung durch Soldaten erahnen lässt. Trunk selbst konnte 1914 wegen des Kriegsbeginns nicht mehr zu seiner musikalischen Arbeitsstätte, der berühmten Arion Society in New York, zurückkehren. Leyer und Schwerdt, eine Sammlung patriotischer Gedichte von Theodor Körner, lässt die Begeisterung für den Kampf gegen Napoleon Bonaparte aufleben, insbesondere Lützow´s wilde Jagd in der Vertonung von Carl Maria von Weber. Der Dichter hatte als Leutnant des Lützowschen Freikorps selbst an den Napoleonischen Befreiungskriegen teilgenommen und fiel im August 1813 bei Gadebusch. Die schwarzen Uniformen der Lützower Jäger mit roten und goldenen Accessoires wurden zum Vorbild der deutschen Nationalfahne Schwarz-Rot-Gold. Über ein sehr persönliches Kriegsopfer erzählt Josef Gabriel Rheinbergers Der Abend am Toro-See nach einem Gedicht von Walter Scott in der Übersetzung von Rheinbergers Frau Fanny von Hoffnaaß. Das Lied schildert die Gefühlswelt von Elinor (vermutlich Eleonore von Aquitanien), als sie vom Tode ihres Mannes Heinrich erfährt, der im Kampfe fällt. Im Mittelpunkt des Stücks Die Hunnen (Text: Friedrich Wilhelm Weber) aus op. 130 aus der Feder des gleichen Komponisten steht die Angst von Mensch und Tier angesichts der dem zentralasiatischen Reitervolk zugeschriebenen Brutalität. Es war schon immer ein probates Mittel, den Gegner herabzuwürdigen und ihm unmenschliche Grausamkeiten vorzuwerfen, um die eigenen Leute eng hinter sich zu scharen.

 

Nikolay Sokolov hat eindrucksvoll einen Text von Alexey Konstantinovich Tolstoi vertont, der sich ähnlich wie sein Großcousin Leo Tolstoi für die Entrechteten und sozial Schwachen im Zarenreich engagierte. From Siberia lässt nach Sibirien Verbannte zu Wort kommen, die an Ketten gefesselt ohne Hoffnung auf Freiheit ihr Dasein fristen. Inmitten des Elends tauchen Erinnerungen an die Heimat an der Wolga auf.

 

Landsknechte waren „Spezialsoldaten“ des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie kamen meist aus deutschsprachigen Gebieten und kämpften gegen Bezahlung zu Fuß und mit der sogenannten Pike, einer Stichwaffe nach Schweizer Vorbild. Ihnen ging neben dem Ruf einer tüchtigen Schlagkraft auch der des Plünderns und des übermäßigen Saufens voraus. Heute noch bekannt sind einige ihrer Lieder, so auch das Wir zogen in das Feld hier in einer Neufassung von Johann N. David. Es ist von den Kämpfen gegen Venedig um 1509 und von den italienischen Feldzügen Kaiser Karls V überliefert. Die italienisch klingenden Passagen im Landsknecht-Kauderwelsch heißen in etwa: „An die Waffen, ihr Herren!“

 

Klanglich prägnant beginnt der zweite Teil des Konzerts. Veljo Tormis fleht in seinem Deus, protege a bello (lateinische Übersetzung einer Dichtung aus der finnischen Volksdichtungssammlung „Kanteletar“) Gott um Schutz vor Krieg an, akustisch unterstützt durch einen balinesischen Gong. Von Steven Heelein ist die Vertonung des Bibeltextes Omnia tempus habent (Alles hat seine Zeit) aus dem Buch „Kohelet“ zu hören. „Für mich drückt sich der Ewigkeitsaspekt der Zeit in den langen Liegetönen aus, während die Sekundeneinheit fast durchwegs das Zeitmaß bestimmt. Die Dualität des Kohelet-Textes (z.B. Zeit des Gebärens – Zeit des Sterbens) spiegelt sich im Einsatz von Gesang versus Sprechtext wider. Viele Wörter werden lautmalerisch ausgedeutet, z.B. «verlieren» alle Stimmen mit Ausnahme vom zweiten Bass bei «perdendi» den Text und die tonale Ebene. «Tempus pacis» ist harmonisch, dynamisch und auch in der Länge der Vertonung der Höhepunkt des faszinierenden Stücks.“ (Interpretationsansatz von Hans Pritschet)

 

Die Texte zu den Chorsätzen zum Thema „Frieden“ berufen sich häufig auf das göttliche Weihnachtsgebot „et in terra pax hominibus“, so auch das Friedenslied von Johann Michael Haydn, welches das friedliche Miteinander nach kriegerischen Auseinandersetzungen heraufbeschwört. Jósef ?wider scheint in „Pax“ angesichts der weltweiten Greueltaten die Worte der weihnachtlichenFriedensbotschaft des Engels gar nicht in den Mund nehmen zu können. Nur Wortbruchstücke tauchen zunächst auf und am Ende wird das Friedenswort „Pax“ ausgehaucht. Texte der griechisch-orthodoxen und der russisch-orthodoxen Kirche verbindet Ivan Moody miteinander in seiner Supplication for Peace (2002), das um den Frieden Gottes unter den Menschen bittet.

 

Manche Volkslieder thematisieren auch den Krieg. Der gute Kamerad entstand 1809 unter dem Eindruck des Einsatzes badischer Truppen unter französischem Befehl gegen aufständische Tiroler, wobei der Dichter Ludwig Uhland zu beiden Seiten Beziehungen hatte. Obwohl das Gedicht schon vertont war, änderte Friedrich Silcher ein Schweizer Volkslied dafür ab und schuf damit die noch heute bekannte Version. Marcel Reich-Ranicki nahm Uhlands Gedicht 2005 in seinen Kanon der deutschen Literatur auf. Das Lied Ännchen von Tharau – auch von Friedrich Silcher -. spricht in der letzten Strophe davon, dass die Liebe sogar Kriegszeiten überdauern kann. Mit Imagine von John Lennon schließt das Konzert. Der Song zählt mittlerweile zu den Klassikern der Popmusik. Er ist eine Vision einer Gesellschaft frei von Religionen, Nationalismus und Privateigentum. Zugleich ist er ein Aufruf für den Frieden und gilt als eine Hymne der Friedensbewegung.

 

 



NEWS:
Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.
Kontakt
Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld
Am Museum 5
91278 Pottenstein
Tel.: 09242-741 70 90
Fax: 09242-1056
www.fsmt.de
info@fsmt.de

Träger:
Zweckverband Fränkische Schweiz-Museum
Landratsamt Bayreuth
Markgrafenallee 5
95448 Bayreuth
Öffnungszeiten
April - Oktober:
Di - So: 10.00 - 17.00 Uhr

November - März:
So: 13.30 - 17.00 Uhr

Für Gruppen wird nach Absprache jederzeit geöffnet.
In der Weihnachtszeit gelten besondere Öffnungszeiten.